In der Bibel schnell fündig werden

Viele Leute haben eine Bibel zuhause liegen. Als Buch. Oft staubt sie zu, weil die Wenigsten das dicke Buch noch so gut kennen, dass sie darin das finden, was sie suchen.

Mit Online-Bibeln, zB dem Bibleserver oder der Internet-Bibel der Deutschen Bibelgesellschaft geht das schon viel einfacher, sobald man die Suchfunktion gefunden hat.

Die Suche beim Bibleserver

… ist dank künstlicher Intelleigenz inzwischen auf ein ganz neues Niveau gerückt, wie im folgenden Video erklärt wird:

Die Suche bei der Deutschen Bibelgesellschaft

… ist noch nicht ganz so KI-mäßig intuitiv geworden, aber auch aufgrund von Programmierer-Cleverness weit mehr als das, was man früher kannte. Auch da gibt es nun eine „relevanzbasierte“ Suche, bei der einem nicht zuerst 500 Stellen angezeigt werden, die nicht interessieren. 

Klicke hier, um das Bild auszuklappen

Und es gibt noch vieles mehr zum Stichwort: Wissenschaftliche Hintergründe, Bibellesepläne, Neuigkeiten, usw.

In diesem Sinne viel Erfolg mit dem Bibelnachschlagen am PC oder auf dem Smartphone!

Christliche Klimaaktivisten vor Gericht

Da habe ich nochmal Glück gehabt, dass ich nicht auf dem Kirchentag in Nürnberg 2023 war: Heute (14.2.25) stehen zum ersten Mal christliche Klimaaktivisten vor Gericht.

Klicke unten auf den Beitrag des Bayerischen Rundfunks!

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Gastfreundschaft und Fremdenfeindlichkeit in der Bibel

Auch Jesus war ein Flüchtling! (Gemälde: Rembrandt)

In der Losungsandacht vom 10.2.2025 gehe ich nicht näher darauf ein, inwiefern eine gastfreundliche und gerechte Haltung gegenüber „Zugereisten“ ein zentrales Merkmal und ein Prüfstein des christlichen Glaubens ist.

Dies hole ich dies in diesem Artikel nach. 

Dafür sind keine tiefgründigen theologischen Betrachtungen erfoderlich. Eine Anfrage bei Chat-GPT genügt bereits, den erdrückenden, biblischen Befund darzustellen.

Fremdlinge und Schutzsuchende in der Bibel

Die Bibel äußert sich an vielen Stellen zu Fremdlingen, Asylsuchenden und Verfolgten. Grundsätzlich wird der Umgang mit Fremden oft als Maßstab für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit dargestellt. Dabei gibt es sowohl normative Gebote als auch narrative Beispiele, die unterschiedliche Aspekte dieses Themas beleuchten.
 
1. Gebote zum Schutz von Fremdlingen
Im Alten Testament finden sich zahlreiche Gebote, die den Schutz und die faire Behandlung von Fremden betonen:
 
Exodus 22,20: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken und nicht unterdrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägypten gewesen.“
Levitikus 19,34: „Der Fremdling, der bei euch wohnt, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Land Ägypten.“
Deuteronomium 10,18-19: Gott wird als derjenige beschrieben, der „den Fremdling liebt“ und seinem Volk gebietet, dasselbe zu tun.
Diese Gebote betonen die Solidarität mit Fremden aus der eigenen Erfahrung der Israeliten als Fremdlinge in Ägypten. Fremde sollen nicht nur geschützt, sondern auch in die Gemeinschaft integriert werden.
 
2. Narrative Beispiele und ihre Bedeutung
Richter 19
Die Geschichte in Richter 19 schildert das erschütternde Versagen der Gastfreundschaft und den moralischen Verfall in Israel:
 
Ein Levit und seine Nebenfrau suchen in Gibea (Stadt des Stammes Benjamin) Unterkunft. Obwohl Gastfreundschaft in der Kultur der Israeliten eine hohe Priorität hatte, verweigern die Stadtbewohner ihnen Schutz.
Ein alter Mann gewährt ihnen schließlich Unterschlupf, doch die Männer der Stadt fordern, den Levit herauszugeben, damit sie ihn missbrauchen können. Stattdessen bietet der Gastgeber seine Tochter und die Nebenfrau des Leviten an.
Die Nebenfrau wird brutal misshandelt und stirbt. Der Levit zerteilt ihren Körper und schickt die Teile an die Stämme Israels, was einen Bürgerkrieg auslöst.
Bedeutung:
Diese Erzählung zeigt das völlige Scheitern der sozialen und moralischen Verpflichtungen gegenüber Fremden. Sie illustriert den Verfall der Gesellschaft, wenn grundlegende Gebote wie Gastfreundschaft und Schutz von Schwachen missachtet werden. Die Geschichte ist ein drastisches Gegenbild zu den biblischen Geboten zum Schutz von Fremden.
 
Genesis 19,4ff
Die Geschichte von Sodom und Gomorra enthält ähnliche Motive:
 
Zwei Engel kommen in die Stadt Sodom und werden von Lot, Abrahams Neffen, gastfreundlich aufgenommen.
Die Männer von Sodom fordern, dass die Fremden herausgegeben werden, um sie zu missbrauchen. Lot bietet stattdessen seine Töchter an, doch die Männer der Stadt bedrängen ihn weiter.
Schließlich greifen die Engel ein, blenden die Angreifer und retten Lot und seine Familie, bevor die Stadt zerstört wird.
Bedeutung:
Auch hier steht der Bruch der Gastfreundschaftspflicht im Mittelpunkt. Sodom wird traditionell als Inbegriff moralischer Verderbtheit gesehen, wobei die mangelnde Gastfreundschaft und der Versuch, Fremde zu missbrauchen, als Hauptgründe für die göttliche Strafe genannt werden. Die Geschichte hebt hervor, dass der Umgang mit Fremden ein Spiegelbild des moralischen Zustands einer Gesellschaft ist.
 
3. Asyl und Zufluchtsstädte
Das Alte Testament enthält auch Regelungen für Asyl:
 
Zufluchtsstädte (z.B. Numeri 35): Es wurden sechs Städte bestimmt, in denen Menschen, die unabsichtlich jemanden getötet hatten, Asyl finden konnten, bis ein gerechtes Verfahren über ihre Schuld oder Unschuld entschieden hatte. Dies zeigt, dass die israelitische Gesellschaft Schutzmechanismen für Verfolgte kannte, um willkürliche Vergeltung zu verhindern.
4. Das Neue Testament
Auch im Neuen Testament wird der Umgang mit Fremden thematisiert:
 
Matthäus 25,35: Jesus sagt im Gleichnis vom Weltgericht: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Die Aufnahme von Fremden wird als Kriterium für das göttliche Urteil dargestellt.
Hebräer 13,2: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.“ Diese Passage verweist direkt auf die Geschichte von Abraham und Lot, die Engel als Fremde aufgenommen haben.
Fazit
Die Bibel betont den Schutz und die Aufnahme von Fremdlingen als zentralen Ausdruck von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Die Gebote zur Gastfreundschaft und zum Schutz von Schwachen stehen im Kontrast zu den drastischen Erzählungen in Richter 19 und Genesis 19, die das Scheitern dieser moralischen Verpflichtungen illustrieren. Sie zeigen, wie das Missachten dieser Prinzipien zu gesellschaftlichem Verfall und göttlichem Gericht führt. Im Neuen Testament wird die Aufnahme von Fremden schließlich als direkter Dienst an Christus verstanden, was die Bedeutung dieses Themas nochmals unterstreicht.
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O Heiland, reiß die Himmel auf, Teil IV

O Heiland reiß die Himmel auf jazzig: Das Saxophonquartett Blattwerk

Willkommen in der Moderne! Oder schon der Postmoderne?

Denn der Advent ist ja nicht nur die Zeit des Weihnachtsgeschenkebestellens, der Weihnachtsmärkte und der grippalen Infekte, und auch nicht nur die der Ankunft des Jesuskindes. Advent ist auch die Zeit des Endes der Welt, der Offenbarung („Apokalypse“), da der Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommt und das Ende der Geschichte einläutet. 

Und ein wenig scheint es ja so, als wären wir in der Menschheitsgeschichte nie näher dran gewesen am Ende der Geschichte als heute. 
Manchen Mitgliedern der künftigen US-Regierung unter Donald Trump wird ja nachgesagt, dass sie aus religiösen Gründen dieses Ende geradezu anstreben.

Ich halte davon nichts. Laut der Bibel ist all dies eine Angelegenheit, die ganz alleine von Gott geregelt wird, und in die sich Menschen, wenn sie bei Trost sind, nicht einmischen sollen.
Für uns gilt nach wie vor, dass wir glauben, lieben, hoffen, dass wir nach Gerechtigkeit und Frieden streben und dafür sorgen, dass Berg und Tal grün alles werden möge.

In diesem Sinne lauschen wir einem alten, aktuellen Lied in neuer Interpretation, bleiben zuversichtlich und lassen uns unseren Glauben weder von Panikmeldungen noch vom Rost und den Motten fressen.

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O Heiland, reiß die Himmel auf, Teil III

Gesungen und gespielt wie im Orignal … oder so ähnlich

Die Musikgruppe The Playfords versucht sich den von ihnen gespielten Stücken mit den Klängen historischer Instrumente anzunähern. Bei O Heiland reiß die Himmel auf scheint mir dies nur sehr begrenzt gelungen zu sein. Zumindest wenn man davon ausgeht, was Friedrich Spee von Langenfeld mit seinem Lied ausdrücken wollte.

Der Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg jedoch hätte sich über die Interpretation der Playfords sehr gefreut. Denn sie legten ein Schwergewicht auf „seine“ letzte Strophe und verwandelten so den Ruf Friedrich Spees nach Gerechtigkeit in ein weihnachtsmarkttaugliches Advents-Folklorestück.

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O Heiland, reiß die Himmel auf, Teil II

Das geht unter die Haut.

Das Lied erschien 1622, vier Jahre nach Beginn des 30jährigen Krieges, in einer Würzburger Weihnachtsliedersammlung. 
Der Liedtext lautet:

1. O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

2. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß,
im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.

3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
dass Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring,
o Heiland, aus der Erden spring.

4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

5. O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern;
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

6. Hier leiden wir die größte Not,
vor Augen steht der ewig Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand
vom Elend zu dem Vaterland.

Ein, wie Heribert Prantl es nannte, Trostschrei-Lied aus finsteren Zeiten, in denen die Weihnacht in Not, Krieg, Hetze und Fanatismus unterging.

Die Priester wussten, was sie taten, als sie dies vertonten. Die basslastige, ernste Grundstimmung, das düstere Setting des Videos – vor allem aber ließen sie bei ihrer Interpretation die letzte Strophe weg. Dies ist eine klare Positionierung zu der Art, wie Friedrich Spee sein Lied verstanden wissen wollte.

Doch den Kirchenoberen war das Lied zu ungefällig. Darum befahl der Würzburger Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg 1630 – auch er ließ zahlreiche Hexen, Ketzer, sogar Kinder, verbrennen -, dass für eine Neuauflage des Liederbuches folgende letzte Strophe hinzugefügt werde:

Da wollen wir all danken dir,
unserm Erlöser, für und für;
da wollen wir all loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

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O Heiland, reiß die Himmel auf, Teil I

Ein klassisches Chor-Arrangement

Eigentlich sollte dies, ähnlich wie im letzten Jahr im Advent, ein vorweihnachtliches Schmankerl geben, doch aus Gründen wollte beim Redakteur nicht so recht eine schmanklerische Stimmung aufkommen. Kriege und Kriegsdrohungen verdüstern den Advent, und der musikalische Beitrag, welcher in jeder Adventswoche in einer Variation vorgestellt wird, ist in Kriegszeiten entstanden und von ihnen geprägt – nämlich im schlimmsten Krieg, den Deutschland je erlebt hat: dem Dreißigjährigen (1618-48). Damals kamen zB 90% aller Einwohner der Pfalz ums Leben.

Doch der Dichter des Liedes, Friedrich Spee, war kein Pfälzer. Er war Rheinländer, lebte in Mainz, war Jesuit und gehörte damit zu der gegen die Evangelischen gerichteten Speerspitze der katholischen Kirche. Eigentlich. Aber da er nicht darauf verzichten wollte, trotz Religionskrieg und Hexenwahn seinen Verstand zu gebrauchen, musste er leiden und früh sterben.

Doch er bewirkte auch etwas: Er verfasste eine Denk- und Streitschrift mit dem Namen Cautio Criminalis, mit der er sich vehement gegen die Praxis der Hexenverbrennungen wandte, insbesonders gegen das Mittel der Folter zur Wahrheitsfindung. Er forderte die Justiz seiner Zeit heraus, indem er schrieb, man möge ihm irgendein wie auch immer monströs geartetes, fiktives Verbrechen nennen, dazu eine willkürlich des Verbrechens beschuldigte Person, und mit Hilfe der Folter werde er immer die Schuld beweisen können, andernfalls solle man ihn selbst auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Spee erlebte den Erfolg seiner Bemühungen nicht mehr. Aber gerade im Jesuitenorden gab es einflussreiche Mitbrüder, die seine Arbeit fortsetzten. Und ganz konkret wurde mit der Hilfe seiner Streitschrift die Hexenverfolgung in Verden (1648) gestoppt.

Wie erschreckend aktuell das Problem ist, mit dem Spee schon vor 400 Jahren kämpfte, demonstriert ein Weihnachtsfeature der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2016, verfasst von Heribert Prantl, den ich hier zu Wort kommen lassen will:

Heribert Prantl schrieb dies vor acht Jahren, 2016. Inzwischen scheint alles noch viel schlimmer geworden zu sein. Putin hat die Ukraine überfallen, ein Land, dem er zuvor eine Sicherheitsgarantie gegeben hatte, und bedroht den Westen. In den USA geht der Wiedergänger Trump erneut an den Start und ist dabei, sein Gruselkabinett zusammenzustellen.
Man möchte sich vor Angst in irgendein Mauseloch verkriechen oder, wie viele es schon tun, sich in die fiktiven Wirklichkeiten des Internets flüchten oder sich den so schönen und platten Verführungsphrasen von rechten Demagogen und Volksverhetzern anvertrauen.

Doch dies würde bedeuten, Weihnachten ein für alle Mal zu begraben.
Es geht auch anders.
Heribert Prantl hat es 2016 so ausgedrückt:

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