Losungsandacht für Freitag, 03.07.2026
Text und Sprecherin: Pfr. Christian Günther, Mauschbach
(Andacht via Telefon:
06338-993044)
Deutsche Übertragung und Referenz zur jüdischen Liturgie
Und wer durch Feuer?
Wer durch Wasser?
Wer im Sonnenschein?
Wer in der Nacht?
Wer durch eine Feuerprobe?
Wer durch ein normales Verfahren?
Wer durch ein gebrochenes Herz?
Wer durch langsames Dahinsiechen?
Und wer, darf ich sagen, spricht?
Und wer im einsamen Abscheiden?
Wer durch Schlaftabletten?
Wer im Liebesrausch?
Wer durch stumpfe Gewalt?
Wer durch eine Lawine?
Wer durch ein Pulver,
Wer wegen seiner Gier?
Wer aufgrund seines Hungers?
Und wer, darf ich sagen, spricht?
Und wer durch mutige Zustimmung?
Wer durch einen Unfall?
Wer in Einsamkeit?
Wer, der mich im Spiegel ansieht?
Wer durch den Befehl seiner Herrin?
Wer durch eigene Hand?
Wer in tödlichen Ketten?
Wer mit Macht?
Und wer, darf ich sagen, spricht?
(Übertragung durch Christian Günther)
Das Lied bezieht sich auf ein liturgisches Stück des aschkenasischen Judentums (Entstehungszeit: Wahrscheinlich in Mainz, um 1000), das immer am Neujahrstag gesungen wurde, das „Wir wollen die Macht der Heiligkeit des Tages schildern“ (Unetaneh tokef). Hier der Text (übersetzt):
Wir wollen die Größe der Heiligkeit des Tages schildern,
er ist furchtbar und ernst,
an ihm wird sich dein Reich erheben
und auf Gnade dein Thron gegründet sein
und du auf ihm thronen in Wahrheit.
In Wahrheit, du bist der Richter, der zurechtweist,
der weiß und Zeuge ist,
der schreibt, besiegelt, zählt und berechnet
und alles Vergessenen gedenkt,
du öffnest das Buch des Gedenkens,
von selbst wird es vorgelesen,
die eigene Unterschrift jedes Menschen ist darin,
in das große Schofar wird geblasen
und leises Flüstern vernommen,
die Engel sind bestürzt,
von Zittern und Beben ergriffen
und sprechen:
Das ist der Tag des Gerichtes,
zu prüfen das Heer des Himmels im Gericht.
Denn sie sind in deinen Augen nicht lauter, im Gericht,
und alle Geschöpfe der Welt führst du vor dir vorbei wie Lämmer,
wie der Hirt seine Herde prüft,
seine Schafe unter seinem Stabe hindurchgehen lässt,
so lassest du vorbeiziehen, zählst und berechnest, prüfst die Seele alles Lebenden,
bestimmst die Grenze jedem Geschöpfe
und schreibst ihr Urteil.
An Rosch ha-Schana wird es eingeschrieben,
und an Jom Kippur wird es besiegelt –
wie viele vergehen und wie viele geboren werden,
wer leben und wer sterben wird,
wer zu seiner Zeit und wer durch einen vorzeitigen Tod,
wer durch Wasser und wer durch Feuer,
wer durch Schwert und wer durch wildes Tier,
wer durch Hunger und wer durch Durst,
wer durch Erdbeben und wer durch Pest,
wer durch Erwürgen und wer durch Steinigung stirbt,
wer in Ruhe leben wird und wer herumirren muss,
wer in Frieden leben wird und wer verfolgt wird,
wer heiter sein kann und wer gequält wird,
wer verarmt und wer reich wird,
wer entwürdigt und wer erhöht wird.
Aber Buße, Gebet und Rechtschaffenheit
können die Schwere des Urteils abwenden.
[Es folgen noch zwei Strophen …]
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