Es war einmal … Mahagoni

Wundern wir uns, dass wir Flüchtlingswellen aus Afrika erwarten müssen, wenn dort "unterhalb unserer Reizschwelle" die ökologischen Probleme immer dramatischer werden?

Um zu illustrieren, was vor sich geht, möchte ich erneut einen Artikel (veröffentlicht am 19.5.18) von Christian Neumann, "unserem Mann in Gambia" - mit seiner Genehmigung, versteht sich - hier abdrucken:

Ein Ortsname, seine Geschichte und viel heiße Luft

Ein Beitrag aus Christian Neumanns Blog ClayBrickedWalls. 
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„Unter dem Mahagoni.“ Mit diesen Worten wird man begrüßt, wenn man in mein Dorf hinein kommt oder wenn man es verlässt. Der Name des Ortes ist eine Marke. Dennnoch war ich ein wenig verwirrt für einige Zeit, denn Mahagoni zu finden ist hier gar nicht so einfach. Also habe ich nachgefragt und wurde fündig. Ein jüngerer Mann hat mir die tropischen Bäume gezeigt. Er sagte früher war es hier voll von den Bäumen, von denen der Ort seinen Namen hat. Heute gibt es nur noch vereinzelte Exemplare.

 

Große Mahagoni

Mahagoni ist begehrt. Das Holz ist extrem hart und massiv, nur schwer zu bearbeiten. Doch fertige Möbel verrotten nicht und fallen den Termiten nicht zum Fraß. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich. Soweit jedenfalls meine Annahme und die Aussage vieler Leute, die sich die Hände reiben Mahagoniholz zu erhalten. Auch als Dachleisten ist es sehr gefragt – wenn man es sich leisten kann.

Mahagonitisch

Doch das dunkelrot-braune Holz, dem jeder lokale Schreiner die Königsklasse zuschreibt, findet auch noch andere Verwendung. Jene Verwendung, der wohl die Mehrheit der Bäume des Ortes zum Opfer gefallen sind. „Mahagoni macht die beste Holzkohle!“ Wieder war ich verwirrt, denn Holzkohle ist vor allem ein kommerzielles Produkt zum Verkauf, und die Preise auf dem Markt sind fest. Für einen 50 l Sack bezahlt man etwa 3,50 €. Es ist völlig egal aus welchem Holz die Kohle gemacht wurde. Der Preis ist derselbe. Also habe ich nachgefragt, was nun der Gewinn daran ist aus dem besten und seltensten Holz Holzkohle zu gewinnen. Die Antwort war einfach: „Kann ich meine Holzkohle zum selben Preis, wie jede andere Kohle verkaufen aber guten Gewissens damit werben, dass es Mahagoniholzkohle ist, kommen die Käufer zu mir. Außerdem können wir mit dem Holz sonst nichts mehr anfangen. Europa hat es nie gekauft und China hat den Import nun auch verboten.“

Holzkohleerzeugung

Obwohl China das Holz zu einem Bruchteil seines Wertes aufkaufen konnte, ist durch den Überseehandel der Preis für den einheimischen Markt weitestgehend unerschwinglich geworden. Ein illegal geschlagener Baum, zu Holzkohle verarbeitet, bringt jedoch noch einen kleinen Gewinn. Den belastenden Nachweis, um welches Holz es sich bei der Kohle handelt, kann dann niemand mehr erbringen.

Übrigens wird Holzkohle überwiegend zum Kochen Grünen Tees verwendet. Essen wird auf Feuerholz gekocht. Geringe Mengen Holzkohle finden außerdem Anwendung beim Bügeln von Kleidung oder Beschreiben von Holzbrettern (statt Stift und Heft) in den Koranschulen.

Schade um das gute Holz 🙁

Hier noch einmal der 
Link zum Original-Artikel.
Übrigens: Christian Neumann freut sich, wenn man für ihn und seine Arbeit betet.