Kunstausstellung in der Klosterkirche vom 9.9.-25.10.18!

Vernissage am Sonntag, 9. September um 10 Uhr.

Der Künstler sagt dazu:

„Lehm ist Erde. Lehm ist erdig, bindig – verbindend. Verbindung ins
Lebendige schaffen ist ihm eigen.
Dem Lehmgrund entspringt das Mit-Sein, 
Verbindung schaffen ist sein Wesen. Heimat ist Mit-Sein, mit Erde Sein, Erde
als feste, ordnende, bildende und gebildete Größe, als stabile Feste im Chaos des Beweglichen.“

Jesus Inside #110 rollt an!

Benefizkonzert mit Musik für Violoncello solo am 1. September 2018

zugunsten der Jugend- und Gemeindearbeit Hornbach.

in der St. Fabianskirche, 19:00 Uhr

Interpret: Jakob Seel, Violoncello
Werke von J.S.Bach und G.Crumb

Jakob Daniel Seel, Jahrgang 1999, bekam als Jugendlicher Violoncellounterricht bei Mario Blaumer in Saarbrücken, gewann mehrfach auf Landes- und Bundesebene Preise bei Jugend Musiziert, spielte als Stimmführer beim Landesjugendorchester Saar und absolvierte Meisterkurse und Workshops bei Wen Sinn Yang und Daniel Müller Schott. Kammermusik lernte er auch u.a. bei Mitgliedern des Fauré Quartetts und des Artemis Quartetts, bei Frank-Immo Zichner und Pascal Devoyon. Derzeit studiert er an der Universität der Künste Berlin mit Hauptfach Violoncello bei Konstantin Heidrich. Gefragt als Kammer- und Orchestermusiker spielte er schon bei prominenten Anlässen und Uraufführungen renommierter Komponisten. Im Herbst 2018 wird er mit einem Ensemble der UdK Berlin China bereisen. Im Fabianstift bringt er die Cellosuiten in d-moll und C-dur von Johann Sebastian Bach und die Sonata for Cello solo von George Crumb zur Aufführung.

Eintritt frei – Spende wird erbeten

Ansprechpartner in den Sommerferien

In den Sommerferien unternimmt Pfr. Seel mit den Jugendlichen eine Sommerfreizeit nach Dänemark und geht danach in Urlaub.

Die Kasualvertretung in dieser Zeit (für Notfälle, Beerdigungen, Taufen, o.ä.) übernehmen:

Kirchenkonzert am Sonntag, 10.6.18 um 18 Uhr

Es war einmal … Mahagoni

Wundern wir uns, dass wir Flüchtlingswellen aus Afrika erwarten müssen, wenn dort "unterhalb unserer Reizschwelle" die ökologischen Probleme immer dramatischer werden?

Um zu illustrieren, was vor sich geht, möchte ich erneut einen Artikel (veröffentlicht am 19.5.18) von Christian Neumann, "unserem Mann in Gambia" - mit seiner Genehmigung, versteht sich - hier abdrucken:

Ein Ortsname, seine Geschichte und viel heiße Luft

Ein Beitrag aus Christian Neumanns Blog ClayBrickedWalls. 
Kommentare bitte dort posten!

„Unter dem Mahagoni.“ Mit diesen Worten wird man begrüßt, wenn man in mein Dorf hinein kommt oder wenn man es verlässt. Der Name des Ortes ist eine Marke. Dennnoch war ich ein wenig verwirrt für einige Zeit, denn Mahagoni zu finden ist hier gar nicht so einfach. Also habe ich nachgefragt und wurde fündig. Ein jüngerer Mann hat mir die tropischen Bäume gezeigt. Er sagte früher war es hier voll von den Bäumen, von denen der Ort seinen Namen hat. Heute gibt es nur noch vereinzelte Exemplare.

 

Große Mahagoni

Mahagoni ist begehrt. Das Holz ist extrem hart und massiv, nur schwer zu bearbeiten. Doch fertige Möbel verrotten nicht und fallen den Termiten nicht zum Fraß. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich. Soweit jedenfalls meine Annahme und die Aussage vieler Leute, die sich die Hände reiben Mahagoniholz zu erhalten. Auch als Dachleisten ist es sehr gefragt – wenn man es sich leisten kann.

Mahagonitisch

Doch das dunkelrot-braune Holz, dem jeder lokale Schreiner die Königsklasse zuschreibt, findet auch noch andere Verwendung. Jene Verwendung, der wohl die Mehrheit der Bäume des Ortes zum Opfer gefallen sind. „Mahagoni macht die beste Holzkohle!“ Wieder war ich verwirrt, denn Holzkohle ist vor allem ein kommerzielles Produkt zum Verkauf, und die Preise auf dem Markt sind fest. Für einen 50 l Sack bezahlt man etwa 3,50 €. Es ist völlig egal aus welchem Holz die Kohle gemacht wurde. Der Preis ist derselbe. Also habe ich nachgefragt, was nun der Gewinn daran ist aus dem besten und seltensten Holz Holzkohle zu gewinnen. Die Antwort war einfach: „Kann ich meine Holzkohle zum selben Preis, wie jede andere Kohle verkaufen aber guten Gewissens damit werben, dass es Mahagoniholzkohle ist, kommen die Käufer zu mir. Außerdem können wir mit dem Holz sonst nichts mehr anfangen. Europa hat es nie gekauft und China hat den Import nun auch verboten.“

Holzkohleerzeugung

Obwohl China das Holz zu einem Bruchteil seines Wertes aufkaufen konnte, ist durch den Überseehandel der Preis für den einheimischen Markt weitestgehend unerschwinglich geworden. Ein illegal geschlagener Baum, zu Holzkohle verarbeitet, bringt jedoch noch einen kleinen Gewinn. Den belastenden Nachweis, um welches Holz es sich bei der Kohle handelt, kann dann niemand mehr erbringen.

Übrigens wird Holzkohle überwiegend zum Kochen Grünen Tees verwendet. Essen wird auf Feuerholz gekocht. Geringe Mengen Holzkohle finden außerdem Anwendung beim Bügeln von Kleidung oder Beschreiben von Holzbrettern (statt Stift und Heft) in den Koranschulen.

Schade um das gute Holz 🙁

Hier noch einmal der 
Link zum Original-Artikel.
Übrigens: Christian Neumann freut sich, wenn man für ihn und seine Arbeit betet.

Was den Afrikanern gebührt

Der folgende Artikel wurde von Christian Neumann, "unserem Mann in Gambia", am 19.4.2018 in seinem Blog Clay Bricked Walls geschrieben, und mit seiner Genehmigung auf unserer Webseite noch einmal veröffentlicht.

Fragt man mich, was ich hier in Afrika vermisse, so fallen mir immer wieder dieselben Dinge ein, Freunde, Familie, Käse, Erdbeeren und vielleicht ein Döner 🙂

Nun hat aber auch Afrika einiges zu bieten, von dem wir auch in Europa nur träumen könnten. So haben Freundschaften und Beziehungen hier noch mal andere Facetten, die ich ebenfalls sehr genieße, die sich aber schwer in Worte noch in Bildern festhalten lassen.

Sicherlich kennen die meisten Europäer Cashewnüsse. Ursprünglich kommen diese wohl aus Portugal. Irgendwann muss es der Baum in das portugiesischsprachige Guinea-Bissau, nach Westafrika geschafft haben. Dort wurde der Baum in den letzten 15 Jahren zu einer guten Einkommensquelle für die Menschen. Indien nimmt die Nüsse zu einem Festpreis von etwa 0,75 € pro Kilo ab. Ob dies die Nüsse sind, die dann den Weg wieder nach Europa finden?

Durch den Bürgerkrieg waren viele Menschen aus Guinea Bissau in die umliegenden Nachbarländer geflohen. Hier beginnen sie nun auch Cashewbäume anzupflanzen in der Hoffnung damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Gegensatz zu Erdnüssen sind Cashewnüsse einfacher anzubauen. Da sie am Baum und nicht in der Erde wachsen erspart man sich das Pflügen, die Saat, das Bewässern, das Bekämpfen von Ungeziefer, Nagetieren und Affen, sowie das Sicherstellen einer Saat für das kommende Jahr. Man muss sie eigentlich nur ernten und von einer äußerst harten Schale befreien, was durchaus viel Arbeit mit sich bringt. Bleiben lediglich die Nachbarskinder, die gerne und durchaus aggressiv von allerlei Cashewbäumen die Nüsse stehlen, um wiederum ihre eigenen Familien zu unterstützen, denn Cashew ist Cash!

Doch eine Sache hat mich überrascht! So, wie die Cashewnuss am Ende des Astes wächst, so verdickt sich mit der reifenden Nuss das Ästchen hinter ihr und bildet eine essbare „Frucht“. Diese ist leider zu druckempfindlich, als dass man sie exportieren könnte. So bleibt tatsächlich etwas für die Afrikaner zurück, was den Europäern vorenthalten bleibt: eine äußerst leckere, aromatische und saftige Frucht!

Apropos Früchte. Ein besonderer Baum, der zuletzt alle seine Blätter verloren hat, um sie durch eine herrliche gelbe Blütenkrone zu ersetzen kündigt die kommende Regenzeit an. Mit dem Regen wird auch die Mangosaison eingeleitet. Schon heute zeigen sich erste Früchte, noch klein, grün, hart und sauer. Wo es weniger Bäume gibt, werden die Früchte schon heute unreif geerntet, denn wer zuerst kommt der isst zuerst. Hoffen wir, dass sich diese Regenzeit so verheißungsvoll durchsetzt, wie sie sich durch die Blüten des Baumes angekündigt. Die Kinder lieben diese Blüten besonders und zupfen die Bäume in kürzester Zeit kahl – ebenso die noch unreifen Früchte von den Mangobäumen. Hoffentlich ist die Regenzeit, entgegen früherer Jahre, von längerer Dauer als die Krone des Baumes. Regen bedeutet Nahrung.

Doch Menschen sollte es nicht möglich sein auch die Regenzeit zu stehlen, oder?

BTW: Christian Neumann freut sich, wenn ihr ihn in eure Gebete miteinschließt! Wie wäre es zB mit einer Bitte um ein segensvolles Wirken und eine gute Regenzeit in diesem Jahr! 

Wenn jemand einen Kommentar abgeben möchte: Bitte hier anklicken und direkt bei Christians Beitrag kommentieren!

Ostern: Was glaubst du?

Am Freitag, 13.April: Jesus inside

… mit verjüngter Band, rockiger Musik und dem Thema:

Freitag, der 13.!

Anschließend: Open-End-Party mit lecker Essen & Trinken im Untergeschoss des Jugendheims!

Passionszeit

Der Glauben ist nie umsonst. Aber manchmal ist er frei, leicht, ein Segen, und er macht einfach nur glücklich.

Es gibt auch andere Zeiten. Dann kostet der Glauben etwas: Geduld. Geld. Schmerzen. Viel, viel Vertrauen, denn es ist nicht mehr unmittelbar erkennbar, dass „er sich lohnt“. Das sind Leidenszeiten, und sie kommen in jedem Leben vor.
Ein anderes (lateinisches) Wort für Leidenszeit ist „Passionszeit“.

Christen erinnern daran, dass Glauben manchmal nicht leicht und gratis ist, in den sieben Wochen zwischen Aschermittwoch (am 14.2.18) und Ostern. Der Karneval ist vorüber, und es beginnt eine lange Durststrecke, in der traditionell gefastet, dh kein Fleisch gegessen oder auf eine andere Art gefastet wird, die immer tiefer in die Erfahrung der eigenen Abgründe führt, bis zum Tod.
Dem von Jesus, stellvertretend , am Karfreitag.
Danach feiern Christen jedes Jahr das Wunder: Auf den Tod folgt neue Schöpfung, die Auferstehung an Ostern.
Die zerschlagene Welt wird neu geschaffen, geheilt.

Nach Ostern beginnt eine siebenwöchige Freudenzeit. Sie dauert bis Pfingsten.

Die Passionszeit

Damit die siebenwöchige Passionszeit nicht zu drückend wird, ist sie in Etappen – jeweils von Sonntag bis Sonntag – eingeteilt. Diese haben bestimmte Namen, welche aus verschiedenen Passagen aus der Bibel stammen und ganz bestimmte Aspekte von menschlicher Schwäche, Angst und Versagen aufzeigen.

Sie heißen:

  1. Invocavit
  2. Reminiscere
  3. Oculi
  4. Laetare
  5. Judica
  6. Palmarum
  7. (Ostern – Passa)

Wer diese komischen, lateinischen Sonntags-Namen erlernen möchte, für den gibt es eine Eselsbrücke, nämlich den Satz:

In rechter Ordnung lerne Jesu Passion,

wobei jeder Wort-Anfangsbuchstabe für einen Passionssonntag steht.

[collapse]

Was die einzelnen Passionssonntage bedeuten, kann man in den untenstehenden Spoilern erfahren, und wer Lust hat, kann am Ende des Artikels noch ein Quiz machen, um zu sehen, wie viel er/sie über die Passionszeit weiß.

INVOCAVIT

„Er ruft“ Dieses Wort steht im Psalm 91,15.
Dort spricht Gott über einen, der auf ihn vertraut:

14 Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; 
er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. 

15 Er ruft mich an ("invocavit"), darum will ich ihn erhören; 
ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. 

16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben 
und will ihm zeigen mein Heil.
So sollte es laufen, auch im Unglück. Aber oft ist es mit der Liebe zu Gott, dem Vertrauen und dem Anrufen nicht weit her. Stattdessen setzen wir unser Vertrauen in vermeintliche Lösungen, die keine sind.

Dies wird an diesem Sonntag verhandelt: Als schlechtes Anfangsbeispiel dient die Geschichte, in der Adam und Eva im Paradies auf die Schlange vertrauten statt auf Gott, was verheerende Konsequenzen hatte.

Diese, aber auch andere Erzählungen aus der Bibel spiegeln genau die Erfahrung wider, welche ich selber machte, nachdem ich mich auf „alternative Lösungen“ zum Glauben eingelassen hatte: Das Leben wird kompliziert, es entstehen Verwicklungen und Abhängigkeiten, aus denen man kaum wieder herausfindet. Irgenwann möchte man „erlöst“ werden, fällt aber von selbst wieder in fatale Verhaltenweisen und Situationen zurück.

Das Gegenbeispiel liefert Jesus, der nach seiner Taufe in der Wüste vierzig Tage lang fastete und von seinem Widersacher schwer geprüft wurde – und widerstand.

Wie sieht es in unserem Leben aus? Hängen wir liebevoll an Gott und geben seine Liebe vorbehaltlos weiter? Oder haben wir uns an ganz andere „Haken“ gehängt?
Der Sonntag Invocavit ist eine Gelegenheit, darüber nachzudenken.
[collapse]
REMINISCERE

„Gedenke“ – Dieses Wort steht in Ps 25,6.
Dort heißt es:

2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich. 

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. 

HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! 

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

Gedenke ("reminiscere"), HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen! 

Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 

Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Der Sonntag Reminiscere beschreibt eine ganz andere Bedrängnis als der vorige (Invocavit): Hier ist von jemandem die Rede, der auf Gott vertraut. Aber der Pslambeter („David“) steht quasi unter Beschuss:
Er hat Feinde, denen es gut geht und die über ihn lachen, weil er sich im Elend gefangen wiederfindet. Er ist unsicher („Straft mich Gott für meine Übertretungen?“) und verzweifelt. Er betet: „Hey, ich habe an dir festgehalten, Gott, aber jetzt stecke ich trotzdem in der Sackgasse. Zeige mir den Weg, wie ich wieder herauskomme!“

Wir machen – auch als Glaubende – haarstäubende Fehler und tun anderen Leuten unrecht … ist das der Grund, warum es uns dreckig geht und wir nicht mehr weiterwissen, wohin wir gehen sollen?

An Reminiscere werden biblische Geschichten erzählt von Leuten, die vom Weg abkommen, die zB Pharisäern, die die Zeichen der Zeit verkennen; Angestellten Gottes, die seine Gaben für sich selbst missbrauchen – und die Kernfrage ist: Wie kommen wir wieder in die Spur? Wie kann der Navi-Fehler behoben werden?

„Vergebung“ ist ein wichtiges Schlüsselwort dieses Sonntages. Vielleicht ist es das, was uns fehlt?

[collapse]
OCULI

„Augen“ – Dieses Wort steht in Ps 25,15.

15 Meine Augen ("oculi") sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 

16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. 

17 Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! 

18 Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!
Die Situation des Psalmbeters („David“) hat sich gegenüber der des vorigen Sonntags (Reminiscere) noch verschärft. Es ist nicht mehr nur so, dass er sich aus der Spur geraten und vergebungsbedürftig fühlt, sondern die blanke Angst hat ihn gepackt. Er sitzt in der Falle, von Netzen gefesselt, um ihn herum fast nichts als Finsternis.

Seine Augen haften an einem kleinen Hoffnungsschimmer, dem „Licht am Ende des Tunnels“ – sofern es kein entgegenkommender Zug ist -, an Gott, dem Herrn, von dem in solchen Situationen wenig zu sehen und zu spüren ist.

Dementsprechend erzählen die Predigttexte dieses Sonntages von Menschen, die ganz unten angekommen sind; vom Propheten Elia, der seinen Verfolgern mit knapper Not entkommt, aber so am Ende ist, dass er am liebsten sterben möchte; von Jeremia: Einst ein angesehener Mann im Tempel und bei Hofe, doch nachdem er aufhörte, den Mächtigen nach den Mund zu reden und kompromisslos Gottes Wort verkündete, ein Geächteter, Verfolgter, der um sein Leben fürchtet; von der armen Witwe, im im Vertrauen auf Gott ihr ganzes Vermögen spendet, oder von der Mahnung des Petrusbriefes an uns Christen, dass unser Glaube auch uns und viele Schwestern und Brüder in der ganzen Welt teuer zu stehen kommen kann.

Schaffen wir es, finstere Zeiten durchzustehen und im Vertrauen auf Gott gestärkt daraus hervorzugehen? Wie gehen wir mit unserer Angst um? Wie verhalten wir uns, wenn unsere Hoffnung auf Gott nur noch so groß ist, wie ein kaum noch sichtbares Licht am Ende des Tunnels?

[collapse]
LAETARE

„Freuen“ – In Jes 66,10 verkündet der Prophet folgendes Gotteswort:

9 Sollte ich das Kind den Mutterschoß durchbrechen und nicht auch geboren werden lassen?, spricht der HERR. Sollte ich, der gebären lässt, den Schoß verschließen?, spricht dein Gott. 
10 Freuet ("Laetare") euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 
11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 
12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 
13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

Der Sonntag Laetare, welcher die Mitte der Passionszeit bildet, gibt uns ein wenig Urlaub vom Leiden und der Enthaltsamkeit. Im Mittelalter wurde an diesem Sonntag das Fasten unterbrochen.
Die Botschaft von Laetare fordert uns auf, auch in Zeiten der Krise und des Darbens nicht nur Trübsal zu blasen, sondern uns zu freuen, wo immer wir können, selbst wenn die Zeiten schlimmer werden. Denn wir sind gewiss: Das alles geht vorüber, und danach kommt die richtig große Freude!

Maria säugt das Jesuskind  ◊ Quelle: Wikimedia Commons; Unbekannter Meister des 16. Jh., Brügge.

Der Prophet (Trito-)Jesaja überrascht uns mit einem nicht ganz jugendfreien Bild: Auch wenn wir eben noch traurig waren, sollen wir uns freuen, denn „ein Kind ist uns geboren“, und nun können wir uns satt trinken an der Muttermilch des Trostes, die vom Heiligtum in Jerusalem her fließt. Wir werden geknuddelt. Wir können an den vollen Brüsten saugen und saugen, bis wir ganz besoffen sind von lauter Trost und Freude.
Gott selber wird uns trösten wie eine Mutter.

Psychologen haben diesen Menschentypus, der sich auch noch in Bedrängnissen an Kleinigkeiten freuen kann und die Hoffnung nie aufgibt, der „meistens durchkommt“ (zB Leute, die furchtbare Erlebnisse während des 2. Weltkrieges überstanden und dennoch fähig blieben, ein normales Leben zu führen) beschrieben und eine spezielle Eigenschaft herausgefiltert, die sie „Resilienz“ nannten: Das lateinische Wort resilire, „abprallen“ verwendet man für Steine, die ins Wasser geworfen werden, aber nicht untergehen, sondern auf der Oberfläche immer weiterhüpfen. Ebenso sei es mit diesen Menschen, die von Schicksalsschlägen nicht vernichtet werden, sondern die daraus lernen und selbst den kleinsten Lichtblick nutzen, um sich in der Krise neu aufzubauen.
Genau darum geht es bei Laetare: Genieße den Tag oder auch nur die Stunde, an der die Sonne scheint, und vertraue darauf, dass dir Gottes Schutz und Stab auch im finsteren Tal beistehen.

Die Bibeltexte dieses Sonntages weisen darauf hin, dass das Leiden vor der großen Feude durchaus Sinn macht: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, bevor es als Frucht aufgeht. Jesus wird nur dann zum Brot des Lebens, wenn er sein Leben hingibt für die, die an ihn glauben.

Für uns ist dieses Zusammengehen von Leiden und Freude meist eine Zumutung: Als bekennende Angehörige unserer Konsumgesellschaft wollen wir möglichst viel Freude sofort, ohne schwere Zeiten als Begleiterscheinung. Zugleich jedoch leidet unser Planet unter unserer Verschwendung und Umweltverschmutzung. Werden wir wieder in ein vernünftiges Gleichgewicht zurückfinden?

[collapse]
JUDICA

„Schaffe mir Recht“ – Ps 43,1.
So ruft der Psalmbeter, und er ist in großen Nöten:

Schaffe mir Recht ("judica"), Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 

Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
Jeder hat sich schon mal ungerecht behandelt gefühlt. In der Schule, im Arbeitsleben, vielleicht sogar auch im Zusammenhang mit der Polizei und dem Gesetz.
Ich persönlich erlebte das kürzlich im Zusammenhang mit „meinem“ Flüchtling aus Syrien und war Beobachter einer Gerichtsverhandlung, bei der nun wirklich gar nichts stimmte.
Aber das ist alles noch kein Vergleich zu den Nöten, denen sich der Psalmbeter ausgesetzt sieht: Es geht um Leib und Leben, und der auf Gott Vertrauende steht auf verlorenem Posten gegen die „falschen und bösen Leute“. Die deutsche Justiz hat in dieser Beziehung schon einige schlimme Beispiele geliefert, vor allem in der Nazizeit.
Eugen Anton Bolz, ehemaliger Staatspräsident von Württemberg, 1944 vor dem Volksgerichtshof, kurz vor seiner Hinrichtung. Quelle: Wikimedia Commons.
Bei dieser Bibelstelle wird natürlich  auch mit beiden Augen auf das Schicksal von Jesus nach seiner Verhaftung auf dem Ölberg geschielt, und auf das fragwürdige Schnellverfahren, das ihm gemacht wurde, bei dem sein Tod wohl von vornherein feststand.

Der wichtigste Predigttext zu Judica geht aber noch einen Schritt weiter. Er steht im Hebräerbrief 13,12-14:

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Seine Unberechenbarkeit ist Legende!

Nicht nur Jesus selbst, sondern auch die, welche auf ihn vertrauen, müssen damit rechnen, für ihren Glauben verhaftet oder schikaniert oder angegriffen zu werden. Je deutlicher man seinen Glauben lebt, desto schneller kann dies passieren, weil man für weltliche Machthaber „himmlisch unberechenbar“ wird.

Darum hat es schon seinen Grund, dass das Christentum die am meisten verfolgte Religion auf der Erde ist. Hier ein Landkarten-Überblick:

Quelle: OpenDoors. Mehr Informationen zu den einzelnen Staaten siehe dort. Auch wenn die Christen hierzulande im Allgemeinen ohne Unterdrückung leben können, bleibt das andere Problem bestehen:
Wie gehe ich damit um, dass ich Unrecht erleide?
Vier Möglichkeiten tun sich auf:
  1. Ich versuche das Unrecht auszugleichen, indem ich mich mit einer vergleichbaren Untat räche.
  2. Ich knicke ein und werde ein gebrochener Mensch, ein „Loser“.
  3. Ich ertrage das Unrecht mit zusammengebissenen Zähnen und beklage mein elendes, aber doch halbwegs aufrechtes Leben.
  4. Ich ertrage das Unrecht ohne zu jammern und mich zu verhärten, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Gott mir Recht schaffen wird.

Der vierte Weg ist der schwerste. Ich darf zwar aktiv für mein Recht kämpfen, aber es gibt Grenzen. Und darüber hinaus gilt es zu glauben, zu hoffen und auch noch zu lieben. Schaffe ich das? Lebe ich in einem Freundeskreis und mit einem Vertrauen, das mir dafür die Stärke gibt?

[collapse]
PALMARUM

„Palmen“ – Joh 12,13 berichtet von Jesu Einzug in Jerusalem:

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 

13 nahmen sie Zweige von Palmen ("palmarum") und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! 

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): 

15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 

17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 

18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 

19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Es ist eines der im Neuen Testament am besten bezeugten Ereignisse, wie Jesus seine Ankunft in Jerusalem inszeniert, nach dem „Drehbuch“ des Propheten Sacharja, Kapitel 9:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 

10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Jesu triumphaler Auftritt in der Hauptstadt. Ein „Medienereignis“, und doch zugleich ein sanftes, freudiges Happening.

Bei seinem Einzug in Jerusalem wagten die Pharisäer nichts gegen Jesus zu unternehmen. Er war beliebt, stark, ein unangreifbarer Hoffnungsträger. Doch nach diesem Auftakt wurde der Aufenthalt von Jesus in der Stadt mehr und mehr gekennzeichnet von Empörung, Auseinandersetzungen, Intrigen, Verrat, Folter und am Ende Mord. Es ging bergab mit Jesus, und nach dem trügerisch schönen Beginn führte sein Weg zum messianischen Königtum durch die allertiefste Erniedrigung.
Ein Predigttext von Palmarum berichtet davon, dass Jesus, als er in Bethanien mit dem Öl der Könige gesalbt wurde, diesen Weg voraussah:
Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 

Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 

Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 

Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
In einem anderen Palmsonntags-Predigttext, der vom Apostel Paulus überliefert wurde – Phil 2,5-11 – wird das so ausgedrückt:
5 Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für das Größte, Gott gleich zu sein, 

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, wurde den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 

8 Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 

10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen die Knie von allen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 

11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Wie konnte es dazu kommen, dass Jesus, der die Nächsten- und Feindesliebe predigte und als sanfter, auf einem Eselchen reitender König in Jerusalem einzog, schon nach einer Woche in einer Art Justizmord gefoltert und am Kreuz getötet wurde?
Anton Ciseri, Ecce Homo (entstanden zw. 1860 und 1880)
Ein Zufall? Ein Missverständnis? Ein schreckliches Versehen?
Die Geschichte der Christen zeigt, dass sich ähnliche Situationen immer wieder zugetragen haben – immer dann, wenn Christen gegen den Willen der Herrschenden den Christus (hebräisch: „Messias“, gesalbter König) als ihren obersten Herrn betrachteten und danach handelten.
Schon im Neuen Testament findet man die ersten Parolen und Kurzbekenntnisse, mit denen die frühen Christen den Verfolgungen durch die römischen Kaiser widerstanden:
Den Kaiser sollen wir ehren, Gott aber sollen wir fürchten.  (vgl. 1.Petr 2,17)
Und natürlich: Christus ist der Herr! (Apg 10,36Phil 2,11; Offb 1,5).Dies alles ist keine olle Kamelle aus der Antike.
So wurden zB die ersten Täufer während der Reformationszeit vor allem deshalb verfolgt und ermordet, weil sie sich weigerten, gegen die Türken oder andere Feinde des deutschen Reiches zu kämpfen. Hatte Jesus nicht allen Christen geboten, die Feinde zu lieben?
Als Kanzlerin Merkel sich gegen eine Begrenzung der Flüchtlingszahl wendete und trotz eines schweren Popularitätsverlustes nicht davon abging, offenbarte sie ein christliches Selbstverständnis: Man darf Notleidenden nicht wegen einer Quote oder aus anderen politischen Gründen die Hilfe verweigern.Zwar betonte Jesus:
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Aber seine Herrschaft und vor allem seine Botschaft bestimmen das Handeln vieler Christen, und da sich kein Mensch völlig aus dieser Welt heraushalten kann, da man sogar Welt-Verantwortung übernehmen muss, etabliert sich das Königtum von Jesus Christus zwangsläufig in dieser Welt.
Das gefällt nicht jedem.
Die Frage von Palmarum ist die nach dem „status confessionis„: Auf welcher Seite stehst du wirklich, Mensch, der du dich Christ nennst? Ist Jesus dein oberster Herr? Was bist du bereit, dafür zu opfern, dass du ihm nachfolgst?
[collapse]

Weitere Informationen zu den Passionssonntagen – zB, wann dieses Jahr welcher gefeiert wird – und zum ganzen Kirchenjahr finden Sie hier.

Das Quiz zur Passionszeit

… und noch ein paar Fragen: